Der Mammutbaum misst seine Größe nicht an seiner Höhe, sondern an der Tiefe seines Vertrauens in die Erde.


Euer Alex
Der Mammutbaum misst seine Größe nicht an seiner Höhe, sondern an der Tiefe seines Vertrauens in die Erde.


Euer Alex
Es gibt Situationen, in denen eine Kameratasche das falsche Signal sendet. Auf dem Weg zur Arbeit oder im Zug mit dem Rucksack auf dem Rücken. Die Leica M11-P bleibt dann oft zu Hause, nicht weil ich sie nicht mitnehmen möchte, sondern weil es keine vernünftige Möglichkeit gibt, sie sicher und unauffällig in der vorhandenen Aktentasche oder dem Rucksack unterzubringen. Die Billingham Capsule 1 ist der Versuch, genau dieses Problem zu lösen.
Die Capsule 1 ist kein eigenständiges Fototaschensystem, sondern ein „Kameraeinlagefach“ aus dem Hause Billingham, dem britischen Hersteller, der vor allem für seine klassischen Schultertaschen aus gewachstem Canvas bekannt ist. Die Capsule ist für die Verwendung innerhalb einer anderen Tasche gedacht: Sie schützt die Kamera, gibt ihr Form und Halt, bleibt aber als reines Accessoire unsichtbar.
Die äußere Hülle besteht aus dem charakteristischen Billingham-Canvas, die Innenseite ist mit einem weichen Fleece-artigen Material ausgekleidet, das Kratzer am Gehäuse und an der Frontlinse zuverlässig verhindert. So kenn ich es auch von meiner Billingham Hadley Small (Bericht dazu gibt es hier). Das Material der Capsule ist aber etwas anders: bei meiner Hadley Small habe ich den traditionellen Canvas-Stoff, während die Capsule aus synthetischen FibreNyte Material gemacht ist. Und ich muss sagen, dass sich meine Hadley Small besser anfühlt: der Stoff scheint etwas weicher zu sein und auch etwas dünner, wohingegen das synthetische Material eindeutig starrer wirkt (dadurch wohl etwas strapazierfähiger). Bei der Capsule hatte ich aber nicht die Wahl, denn sie wird in dieser Farbe immer in FibreNyte gefertigt (derzeit gibt es sie nur in Rot im traditionellen Canvas).
Zurück zur Tasche und was ich dort einpacken möchte. Üblicherweise bin ich (auf Dienstreisen) mit der Leica M11-P mit aufgesetztem 35mm APO unterwegs. Das ist eine kompakte, aber nicht kleine Kombination. Das Objektiv ragt spürbar aus dem Gehäuse heraus, und ich war gespannt, ob das Capsule 1 diese Paarung sinnvoll aufnehmen kann.
Das Ergebnis ist: Ja, mit Einschränkungen. Die Kamera mit montiertem Objektiv passt in die Capsule, sitzt aber relativ eng. Es ist kein Spiel, das einem ein schlechtes Gewissen macht, sondern eher das angenehme Gefühl, dass nichts klappert oder verrutscht. Wer ein größeres Objektiv angesetzt lässt, wird es schwerer haben (mein Summilux 50 mm passt gerade so noch rein).
Die Verarbeitung ist Billingham-typische: ausgezeichnet. Die Nähte sind sauber, das Material fühlt sich robust an, ohne billig oder plastikartig zu wirken. Man merkt, dass hier jemand Erfahrung mit Kamerataschen hat. Das Fleece-Innenfutter macht einen langlebigen Eindruck. In Summe also alles top!
Eine Anmerkung zu den Maßen: Billingham gibt die Länge des Capsule 1 mit 29 cm an, der tatsächliche Körper der Tasche misst aber nur rund 22 cm. Die Differenz erklärt sich vermutlich durch die ausladende Reisverschluss-Klappe, die in die Gesamtlänge eingerechnet wird. Wer die offizielle Angabe liest und eine kompakte Einlage sucht, darf sich also freuen: Die Capsule fällt deutlich kleiner aus als erwartet, und das ist in diesem Fall ein echtes Plus (zumindest für mich!).
Ich verwende das Capsule 1 in zwei Situationen:
In meiner Aktentasche (TUMI Alpha) liegt die Capsule neben Laptop und den üblichen Begleitern des Büroalltags. Die Capsule gibt der Kamera eine klar definierte Zone, in der sie sich nicht mit spitzen Kugelschreibern oder Ladekabeln anlegen muss. Die Höhe passt problemlos in jede normale Business-Tasche. Was bleibt, ist das leise Bewusstsein: Die Kamera ist dabei, und ich kann sie jederzeit nehmen.
Im Rucksack (aunts & uncles FUKUI) ist die Handhabung etwas weniger elegant, aber funktional. Die Capsule lässt sich ins Hauptfach legen. Die Zugriffszeit ist naturgemäß länger als bei einer Schultertasche, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass die Kamera sicher mitkommt, ohne dass man dafür einen separaten Kamerarucksack braucht.
Kein Schnellzugriffssystem. Keine Lösung für aktives Shooting. Keine Alternative zur Schultertasche, wenn man den ganzen Tag fotografiert. Die Capsule 1 ist ein Transportschutz und als solcher ist es sehr gut. Es löst ein spezifisches, aber häufiges Problem: die Kamera sicher in einer nicht-fotografischen Tasche unterzubringen, ohne Kompromisse beim Schutz einzugehen. Was sie sich nicht ist: billig! 150 Euro sind zwar noch einigermaßen erträglich und (so hoffe ich) eine gute Investition. Vergleichbare Lösungen aus Fernost erhält man aber bereits ab 30-40 Euro.
Und nun ein paar Bilder von dem guten Teil.




Euer Alex
Und noch einmal zurück nach Seoul! Entstanden ist diese Serie während eines starken und spontanen Regens direkt vor meinem Hotel. Die Bedingungen hätten kaum dichter sein können: nasse Straßen, reflektierende Oberflächen, dichter Verkehr und Menschen, die sich mit Regenschirmen durch die Stadt bewegen. Eigentlich war der Anlass ein experimenteller: Ich wollte mit längeren Belichtungszeiten arbeiten und testen, wie sich Bewegung im urbanen Raum abbilden lässt.
Die Stadt wirkt in diesen Momenten gleichzeitig chaotisch und geordnet. Menschen eilen durch das Bild, verlieren klare Konturen, werden zu fließenden Formen. Die Regenschirme verstärken diesen Eindruck, sie wiederholen sich, strukturieren die Szene und geben dem Chaos eine visuelle Ordnung. Der Regen selbst trägt zusätzlich dazu bei, Kanten aufzulösen und die Lichter der Stadt weich zu zeichnen.
Interessant ist dabei, dass die ursprüngliche Situation alles andere als ruhig war. Es war laut, nass, schnell, voller Bewegung. Und doch vermitteln die fertigen Bilder etwas anderes: eine unerwartete Ruhe.
Diese Ruhe entsteht nicht trotz der Bewegung, sondern durch sie. Die lange Belichtung sammelt Zeit statt sie einzufrieren. Einzelne Momente verschwinden, werden überlagert, verdichtet. Was bleibt, ist nicht der einzelne Mensch, sondern die Spur seiner Bewegung. Die Stadt wirkt dadurch weniger wie eine Abfolge von Ereignissen, sondern eher wie ein kontinuierlicher Fluss.
Die Bearbeitung habe ich bewusst minimal gehalten: ein leichter Beschnitt und eine moderate Kontrastanhebung. Mehr Eingriffe hätten den Charakter der Aufnahmen verändert. Denn die eigentliche Wirkung entsteht bereits im Moment der Aufnahme: im Zusammenspiel von Licht, Regen, Bewegung und Zeit.
So wurde aus einer technischen Übung eine Serie, die für mich einen kleinen Widerspruch trägt: Hektik, die Ruhe erzeugt. Bewegung, die still wirkt. Und ein Moment, der sich nicht festhält, sondern erst durch sein Verschwinden sichtbar wird. Ich überlege noch diese Serie in mein Portfolio (Webseite) aufzunehmen – wir werden sehen!
Update: Die Serie hat es inzwischen ins Portfolio geschafft (https://portfolio.alex-reiterer.com/).



Euer Alex
Zum Abschluss dieser kleinen Valencia-Serie verlassen wir die engen Gassen, die lebhaften Märkte und das warme Abendlicht der Altstadt und begeben uns in eine völlig andere Welt: die Stadt der Künste und Wissenschaften – Ciutat de les Arts i les Ciències.
Dieser futuristische Komplex wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Filmset. Weiße, organisch geschwungene Baukörper, spiegelnde Wasserflächen und eine Architektur, die eher an Raumfahrt als an klassische Stadtplanung erinnert, prägen das Bild. Entworfen wurde das Ensemble von Santiago Calatrava und Félix Candela und entstand zwischen den 1990er-Jahren und den frühen 2000er-Jahren auf dem ehemaligen Flussbett des Turia, das nach einer verheerenden Überschwemmung in den 1950er-Jahren umgeleitet und später in einen langen Stadtpark verwandelt wurde.
Genau diese Umnutzung ist ein spannender Teil der Geschichte: Aus einem einstigen Fluss wurde eine grüne Lebensader und am Ende dieses Parks entstand eines der modernsten Architektur-Ensembles Europas. Zwischen Wissenschaftsmuseum, Opernhaus, Planetarium und Aquarium zeigt sich Valencia hier von seiner visionären Seite. Ein Ort, der bewusst nach vorne schaut und sich nicht an historische Formen klammert, sondern neue Welten entwirft.
Beim Spaziergang durch die Anlage wird schnell klar, wie sehr hier mit Perspektiven gearbeitet wird. Linien ziehen sich über den Boden, Bögen spannen sich über Wasserflächen, und überall entstehen Spiegelungen, die Architektur und Himmel miteinander verschmelzen lassen. Je nach Tageszeit wirkt der Komplex kühl und futuristisch oder warm und fast organisch, aber nie langweilig.
Fotografisch ist das Gelände ein Spielplatz der Formen. Genau hier kamen wieder beide Objektive zum Einsatz: das 21 mm Super-Elmar, um die monumentalen Strukturen in ihrer ganzen Weite einzufangen, und das 35 mm APO-Summicron, um Details, Reflexionen und kleinere Ausschnitte herauszuarbeiten. Zwischen extremen Weitwinkelszenen und intimeren Kompositionen pendelnd, zeigt sich die Anlage je nach Brennweite völlig neu.
Besonders spannend ist der Kontrast zu den vorherigen Teilen dieser Serie. Nach den engen Gassen, der dichten Marktatmosphäre und dem warmen, organischen Stadtgefühl wirkt die Stadt der Künste und Wissenschaften wie ein bewusster Gegenpol: glatt, geometrisch, ruhig und fast klinisch in ihrer Klarheit. Und doch fügt sie sich auf ihre eigene Weise perfekt in das Gesamtbild Valencias ein.
Mit diesem letzten Teil endet die kleine Reise durch Valencia. Vier sehr unterschiedliche Facetten, die am Ende doch dasselbe Bild zeichnen: eine Stadt, die lebt, experimentiert und immer wieder überrascht. Ich liebe Valencia!



















Euer Alex
Nach den ruhigen Gassen, den historischen Fassaden und der urbanen Kunst wird es im dritten Teil deutlich lebhafter. Unser Ziel ist die berühmte Markthalle von Valencia: Der Mercat Central. Ein Ort, an dem sich das tägliche Leben der Stadt in all seinen Farben, Gerüchen und Geräuschen entfaltet.
Schon beim Betreten der Halle wird klar: Hier geht es nicht um Touristenattraktionen, sondern um das echte Valencia. Händler preisen lautstark ihre Waren an, Kunden diskutieren über die Qualität der Fische, Taschen rascheln, Gläser klirren und irgendwo lacht immer jemand. Dazwischen türmen sich Obst, Gemüse, Gewürze, Schinken und Meeresfrüchte in einer Vielfalt, die man kaum auf ein Bild bekommt.
Für Fotografen ist die Markthalle ein Paradies und gleichzeitig eine kleine Herausforderung. Das Licht scheint sich hier nämlich nicht entscheiden zu können, was es eigentlich möchte. Durch die großen Fenster und die kunstvollen Glasflächen fällt Tageslicht in die Halle, gleichzeitig sorgen künstliche Lichtquellen für weitere Akzente. Helle Bereiche wechseln sich mit dunklen Ecken ab, Farben reflektieren von allen Seiten und ständig läuft jemand durchs Bild.
Während moderne Kameras in solchen Situationen hektisch Augen, Gesichter, Tiere, Fahrzeuge und vermutlich sogar den nächsten Kaffee automatisch erkennen, stehe ich mit dem Messsucher mitten im Gewühl und drehe konzentriert am Fokusring. Menschen kommen von links, von rechts, bleiben kurz stehen und verschwinden wieder. Motive tauchen auf und sind oft schon wieder weg, bevor der Finger den Auslöser erreicht.
Die Leica M zwingt dazu, langsamer zu werden und genauer hinzusehen. Statt wahllos Serienbilder zu produzieren, beobachtet man die Szene, wartet auf den richtigen Moment und versucht, die Bewegungen der Menschen vorherzusehen. Nicht jeder Treffer sitzt perfekt. Manche Bilder landen direkt im digitalen Papierkorb. Aber die gelungenen Aufnahmen fühlen sich oft ein wenig mehr „erarbeitet“ an.
Besonders spannend sind die Begegnungen zwischen den Marktständen. Händler, die seit Jahrzehnten hier arbeiten. Kunden, die offensichtlich jeden Verkäufer persönlich kennen. Touristen, die staunend vor den Auslagen stehen. Überall entstehen kleine Geschichten, die sich ständig verändern und nur für wenige Sekunden existieren.
Im nächsten Teil verlassen wir den Trubel wieder und widmen uns einer ganz anderen Seite Valencias. Doch zunächst bleiben wir noch einen Moment zwischen den Marktständen stehen und genießen das wunderbare Chaos.














Euer Alex
Nachdem wir im ersten Teil bereits die verwinkelten Gassen der Altstadt erkundet haben, bleiben wir noch ein wenig im Herzen Valencias. Denn gerade in den späten Nachmittags- und Abendstunden entfaltet die Stadt einen ganz besonderen Zauber.
Wenn die Sonne langsam tiefer sinkt und die Hitze des Tages nachlässt, verändert sich die Atmosphäre in den engen Straßen spürbar. Das harte Licht des Mittags weicht warmen Gold- und Orangetönen, die sich an den Fassaden spiegeln und selbst unscheinbare Ecken in kleine Bühnen verwandeln. Für Fotografen beginnt jetzt die vielleicht schönste Zeit des Tages.
Die schmalen Gassen wirken im Abendlicht fast wie natürliche Lichtkanäle. Sonnenstrahlen finden ihren Weg zwischen den Häusern hindurch und zeichnen helle Linien auf das Kopfsteinpflaster, während nur wenige Meter weiter bereits tiefe Schatten warten. Dieses Wechselspiel aus Licht und Dunkelheit verleiht den Straßen eine besondere Tiefe und sorgt ständig für neue Motive.
Auch die urbane Kunst gewinnt in diesen Stunden noch einmal an Ausdruckskraft. Die zahlreichen Wandgemälde, Graffiti und kunstvoll gestalteten Rollläden scheinen förmlich zu leuchten. Farben werden intensiver, Kontraste weicher. Viele der Werke erzählen kleine Geschichten, manche sind humorvoll, andere gesellschaftskritisch oder einfach nur dekorativ. Gemeinsam prägen sie den unverwechselbaren Charakter der Altstadt und machen jeden Spaziergang zu einer kleinen Entdeckungsreise.
Besonders faszinierend ist dabei die Vielfalt. Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues: ein großformatiges Wandbild, eine kunstvoll bemalte Tür, ein verstecktes Detail an einer Hauswand oder ein Geschäft, dessen geschlossener Rollladen nach Feierabend zum Kunstwerk wird. Valencia zeigt hier eine kreative Seite, die sich nicht in Museen oder Galerien versteckt, sondern ganz selbstverständlich Teil des täglichen Lebens ist.
Während die Straßen langsam ruhiger werden, füllen sich die Plätze mit Menschen, die den Abend genießen. Aus Bars und Restaurants dringen Stimmen und Gelächter, irgendwo spielt Musik, und über allem liegt dieses warme mediterrane Licht, das man nur schwer beschreiben kann. Es ist eines dieser Lichter, die man nicht nur sieht, sondern spürt.
Ein paar Worte noch zur Ausrüstung: Das APO-Summicron 35 mm an der M11-P ist für mich schlicht eine Traumkombination (wie schon so oft hier geschrieben). Schärfe, Kontrast, Farben: da passt einfach alles. Eigentlich. Denn in den engen Gassen Valencias ertappte ich mich mehr als einmal dabei, einen halben Schritt zurückzugehen. Und noch einen. Und noch einen. Bis irgendwann eine Hauswand oder ein parkendes Auto freundlich, aber bestimmt signalisierte: „Weiter zurück geht heute leider nicht.“ In genau diesen Momenten hätte ein 28-mm-Objektiv vermutlich die elegantere Lösung dargestellt. Die zusätzliche Weite wäre in manchen Situationen Gold wert gewesen. Trotzdem: Mein 35er wird nirgendwo hingehen. Dafür liebe ich den Bildwinkel einfach zu sehr. Es ist ein wenig wie bei einem guten Freund, der gelegentlich einen kleinen Tick hat. Man weiß genau, dass er nicht perfekt ist, aber gerade deshalb möchte man ihn nicht missen.



















Euer Alex
Über Pfingsten ging es für ein paar Tage nach Valencia. Kein straffes Besichtigungsprogramm, keine Kilometerjagd von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Stattdessen standen Entspannung, Fotografie und natürlich gutes Essen auf dem Plan. Valencia erwies sich dabei als genau die richtige Wahl: eine Stadt, die mediterrane Gelassenheit mit historischem Charme und überraschend viel urbaner Kreativität verbindet.
Den Auftakt dieser kleinen 4-teiligen-Serie machen einige Eindrücke aus dem historischen Zentrum: Beginnend mit einem Blick von einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, dem Glockenturm El Micalet (spanisch auch El Miguelete) der Kathedrale von Valencia. Der zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert errichtete gotische Turm prägt bis heute die Silhouette der Altstadt. Nach dem Aufstieg über die berühmte Wendeltreppe mit ihren 207 Stufen eröffnet sich ein fantastischer Rundumblick über die Dächer Valencias bis hinaus in Richtung Mittelmeer.
Die ersten Bilder dieser Serie entstanden genau dort oben. Mit dem Leica Super-Elmar 21 mm ließ sich die Weite der Stadt hervorragend einfangen. Die roten Ziegeldächer, die Türme und Kuppeln der historischen Gebäude sowie die modernen Akzente am Horizont verschmelzen zu einem Stadtbild, das Geschichte und Gegenwart gleichermaßen widerspiegelt. Von hier oben wird deutlich, wie kompakt die Altstadt eigentlich ist und wie eng die einzelnen Viertel miteinander verwoben sind.
Nach dem Abstieg führte der Weg wieder hinein in das Labyrinth der Altstadtgassen. Für diese Aufnahmen kamen das Leica APO-Summicron 35 mm zum Einsatz. Besonders das Viertel El Carmen zog mich magisch an. Hinter beinahe jeder Ecke wartet ein neues Motiv: schmale Durchgänge, verwitterte Fassaden, kleine Plätze und immer wieder überraschende Details, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt.
Auffällig sind dabei die zahlreichen Graffiti und Wandbilder. Anders als in vielen anderen Städten wirken sie hier selten wie reine Schmierereien. Vielmehr sind sie Teil des Stadtbildes geworden. Besonders interessant fand ich die kunstvoll gestalteten Rollläden der kleinen Geschäfte. Tagsüber geöffnet und oft unscheinbar, verwandeln sie sich nach Geschäftsschluss in eine riesige Freiluftgalerie. Figuren, Schriftzüge, Karikaturen und farbenfrohe Kunstwerke verleihen den Straßen eine ganz eigene Atmosphäre.
Was Valencia dabei besonders sympathisch macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Geschichte und Gegenwart nebeneinander existieren. Zwischen jahrhundertealten Gebäuden findet man moderne Kunst, kleine Cafés und kreative Läden. Nichts wirkt aufgesetzt oder künstlich inszeniert. Die Stadt lebt und genau das spürt man bei jedem Spaziergang.

















Euer Alex