Nach unserem ersten Halt am Atlantik ging es weiter nach La Rochelle: eine Stadt, die uns sofort begeistert hat. Maritimes Flair, alte Gassen, helle Steinfassaden und natürlich der beeindruckende alte Hafen machen den besonderen Charakter dieser Stadt aus.
La Rochelle blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Im 10. Jahrhundert zunächst als Fischerdorf gegründet, entwickelte sich die Stadt bereits im Mittelalter zu einem bedeutenden Handels- und Hafenplatz. Vor allem mit Salz und Wein wurde gehandelt. Der Reichtum dieser Zeit ist bis heute im Stadtbild zu spüren.
Das wohl bekannteste Motiv der Stadt findet sich am Vieux-Port: die drei mittelalterlichen Türme Tour Saint-Nicolas, Tour de la Chaîne und Tour de la Lanterne. Sie bewachten einst die Hafeneinfahrt; zwischen Saint-Nicolas und der Tour de la Chaîne konnte bei Bedarf sogar eine Kette gespannt werden, um den Zugang zum Hafen zu versperren.
Heute ist von der bewegten Geschichte vor allem die besondere Atmosphäre geblieben. Man schlendert durch enge Gassen, unter den für La Rochelle typischen Arkaden hindurch und steht wenige Minuten später wieder am Wasser. Die Mischung aus Geschichte und Meer macht die Stadt für uns so reizvoll.
Und natürlich ist es auch das Licht, das La Rochelle fotografisch so spannend macht. Das helle Gestein, das Wasser des Atlantiks und die wechselnden Lichtstimmungen ergeben immer wieder neue Motive. Ein wunderbarer Ort, um einfach durch die Stadt zu treiben, die Kamera dabei zu haben und sich überraschen zu lassen, was einem vor die Linse kommt.
Nun geht sie los, die kleine Serie von unserem Roadtrip im Sommer. Unser erster Halt führte uns an den Atlantik. Schon hier zeigte sich, wie sehr dieser Küstenabschnitt vom Wechsel der Gezeiten geprägt ist. Besonders fasziniert haben mich die alten Stege, die weit ins Meer hinausführen. Sie dienten den Fischern dazu, auch bei Ebbe hinaus aufs Wasser zu gelangen. Bei Niedrigwasser lagen sie allerdings fast vollständig trocken und wirkten dadurch beinahe wie freischwebende Wege, die ins Nichts führen.
Mit der Flut veränderte sich das Bild komplett. Dort, wo kurz zuvor noch Sand und Schlick zu sehen waren, reichte das Wasser nun bis an die Stege heran. Ein und derselbe Ort zeigte innerhalb weniger Stunden zwei völlig unterschiedliche Gesichter.
Auch fotografisch war dieser erste Halt etwas Besonderes. Das Licht war wunderbar weich und stimmungsvoll und brachte die Strukturen der Stege, das Wasser und den weiten Horizont sehr schön zur Geltung. Und dann waren da noch diese wunderbaren alten Häuser auf dem Weg zum Meer.
Auch in diesem Jahr ging es auf einen Sommer-Road-Trip. Es ist also wieder Zeit für einen Sommer-Multi-Hyper-Maxi-Mehrteiler hier 🙂
Der Reiseverlauf: Von Südbaden aus sind wir Richtung Westen bis nach La Rochelle gefahren. Dann sind wir weiter nach La Turballe (2. Station). Unsere 3. Station war Roscoff und die 4. Station lag bei Le Mont-Saint-Michel. In Summe sind das ca. 2.500 Kilometer – mit den ganzen Tagestouren haben wir in den 3 Wochen um die 3.100 Kilometer gemacht. Auf der Hin- und Rückfahrt haben wir je einen Stop eingelegt.
Bei der Fotoausrüstung gibt es wenig Überraschung: Leica M11-P, 21er, 35er und 50er. Und ja, es kamen tatsächlich alle Objektive zum Einsatz. Den Großteil der Bilder machte ich aber mit dem 35er.
In den kommenden Wochen werde ich hier erste Bilder zeigen. Einen ersten Vorgeschmack gibt es mit diesem Bild.
Und hier kommt wieder mal ein Buchtip. Eigentlich ist es mehr als ein Buchtip, sondern …. naja, lest einfach weiter.
Es gibt Fotobücher, die man einmal durchblättert und es gibt Bücher, die man immer wieder in die Hand nimmt. Street Safari von Alan Schaller gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Der Londoner Fotograf zeigt darin Tiere im urbanen Umfeld und schafft es einmal mehr, alltägliche Situationen in außergewöhnliche Bilder zu verwandeln. Mit seinem unverwechselbaren Stil aus starken Kontrasten, perfektem Timing und einer beeindruckenden Komposition entstehen Aufnahmen, die gleichzeitig humorvoll, überraschend und künstlerisch anspruchsvoll sind.
Alan Schaller ist dabei ein Fotograf, der perfekt zu seinem Werk passt: ein bisschen verrückt, immer auf der Suche nach dem besonderen Moment und mit einer gehörigen Portion Leidenschaft. Seine Ideen sind ungewöhnlich, sein Blick auf die Welt ist eigenwillig und genau das macht ihn so sympathisch.
Was Street Safari zusätzlich besonders macht, ist die Qualität der Umsetzung. Die Druckqualität ist schlicht beeindruckend: Die tiefen Schwarztöne, die feinen Grauabstufungen und die brillante Wiedergabe der Bilder werden diesem außergewöhnlichen Fotoprojekt mehr als gerecht. Das Buch wurde in Verona (Italien) von EBS produziert, wo viel Erfahrung und handwerkliche Präzision in der Herstellung hochwertiger Fotobücher steckt.
Ebenso spannend wie die Bilder selbst ist das Vertriebskonzept hinter dem Buch. Alan Schaller geht bewusst einen neuen Weg und veröffentlicht Street Safari über sein eigenes Publishing-Modell (IRYS Publishing). Durch den direkten Vertrieb werden klassische Zwischenstufen reduziert und der Fotograf deutlich stärker am Erlös beteiligt. Ein mutiger Ansatz, der zeigt, wie die Zukunft der Fotobuchbranche aussehen könnte: näher am Künstler, näher am Publikum und fairer für diejenigen, die die eigentliche kreative Arbeit leisten. Ein Paket mit einem IRYS-Aufkleber wartete ca. 7 Tage nach Bestellung in meinem Postkasten.
Wer verstehen möchte, wie dieses außergewöhnliche Projekt entstanden ist, sollte sich unbedingt das begleitende YouTube-Video von Alan Schaller ansehen (Link zum Video). Darin erzählt er nicht nur die Geschichte hinter der Idee von Street Safari, sondern gibt auch spannende Einblicke in die Entstehung des Buches und den gesamten Produktionsprozess. Es macht deutlich, wie viel Leidenschaft, Zeit und Perfektion hinter diesem Werk stecken. Zudem ist das Video an einigen Stellen einfach nur lustig!
Street Safari ist deshalb weit mehr als ein schönes Fotobuch. Es ist ein visuelles Erlebnis, ein Statement für unabhängige Kreativität und ein spannendes Beispiel dafür, wie Fotografen ihre Arbeit heute selbstbestimmter präsentieren können. Eine klare Empfehlung. Mehr zum Buch findet sich hier.
Es gibt Situationen, in denen eine Kameratasche das falsche Signal sendet. Auf dem Weg zur Arbeit oder im Zug mit dem Rucksack auf dem Rücken. Die Leica M11-P bleibt dann oft zu Hause, nicht weil ich sie nicht mitnehmen möchte, sondern weil es keine vernünftige Möglichkeit gibt, sie sicher und unauffällig in der vorhandenen Aktentasche oder dem Rucksack unterzubringen. Die Billingham Capsule 1 ist der Versuch, genau dieses Problem zu lösen.
Was ist die Capsule 1?
Die Capsule 1 ist kein eigenständiges Fototaschensystem, sondern ein „Kameraeinlagefach“ aus dem Hause Billingham, dem britischen Hersteller, der vor allem für seine klassischen Schultertaschen aus gewachstem Canvas bekannt ist. Die Capsule ist für die Verwendung innerhalb einer anderen Tasche gedacht: Sie schützt die Kamera, gibt ihr Form und Halt, bleibt aber als reines Accessoire unsichtbar.
Die äußere Hülle besteht aus dem charakteristischen Billingham-Canvas, die Innenseite ist mit einem weichen Fleece-artigen Material ausgekleidet, das Kratzer am Gehäuse und an der Frontlinse zuverlässig verhindert. So kenn ich es auch von meiner Billingham Hadley Small (Bericht dazu gibt es hier). Das Material der Capsule ist aber etwas anders: bei meiner Hadley Small habe ich den traditionellen Canvas-Stoff, während die Capsule aus synthetischen FibreNyte Material gemacht ist. Und ich muss sagen, dass sich meine Hadley Small besser anfühlt: der Stoff scheint etwas weicher zu sein und auch etwas dünner, wohingegen das synthetische Material eindeutig starrer wirkt (dadurch wohl etwas strapazierfähiger). Bei der Capsule hatte ich aber nicht die Wahl, denn sie wird in dieser Farbe immer in FibreNyte gefertigt (derzeit gibt es sie nur in Rot im traditionellen Canvas).
Zurück zur Tasche und was ich dort einpacken möchte. Üblicherweise bin ich (auf Dienstreisen) mit der Leica M11-P mit aufgesetztem 35mm APO unterwegs. Das ist eine kompakte, aber nicht kleine Kombination. Das Objektiv ragt spürbar aus dem Gehäuse heraus, und ich war gespannt, ob das Capsule 1 diese Paarung sinnvoll aufnehmen kann.
Das Ergebnis ist: Ja, mit Einschränkungen. Die Kamera mit montiertem Objektiv passt in die Capsule, sitzt aber relativ eng. Es ist kein Spiel, das einem ein schlechtes Gewissen macht, sondern eher das angenehme Gefühl, dass nichts klappert oder verrutscht. Wer ein größeres Objektiv angesetzt lässt, wird es schwerer haben (mein Summilux 50 mm passt gerade so noch rein).
Die Verarbeitung ist Billingham-typische: ausgezeichnet. Die Nähte sind sauber, das Material fühlt sich robust an, ohne billig oder plastikartig zu wirken. Man merkt, dass hier jemand Erfahrung mit Kamerataschen hat. Das Fleece-Innenfutter macht einen langlebigen Eindruck. In Summe also alles top!
Eine Anmerkung zu den Maßen: Billingham gibt die Länge des Capsule 1 mit 29 cm an, der tatsächliche Körper der Tasche misst aber nur rund 22 cm. Die Differenz erklärt sich vermutlich durch die ausladende Reisverschluss-Klappe, die in die Gesamtlänge eingerechnet wird. Wer die offizielle Angabe liest und eine kompakte Einlage sucht, darf sich also freuen: Die Capsule fällt deutlich kleiner aus als erwartet, und das ist in diesem Fall ein echtes Plus (zumindest für mich!).
Ich verwende das Capsule 1 in zwei Situationen:
In meiner Aktentasche (TUMI Alpha) liegt die Capsule neben Laptop und den üblichen Begleitern des Büroalltags. Die Capsule gibt der Kamera eine klar definierte Zone, in der sie sich nicht mit spitzen Kugelschreibern oder Ladekabeln anlegen muss. Die Höhe passt problemlos in jede normale Business-Tasche. Was bleibt, ist das leise Bewusstsein: Die Kamera ist dabei, und ich kann sie jederzeit nehmen.
Im Rucksack (aunts & uncles FUKUI) ist die Handhabung etwas weniger elegant, aber funktional. Die Capsule lässt sich ins Hauptfach legen. Die Zugriffszeit ist naturgemäß länger als bei einer Schultertasche, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass die Kamera sicher mitkommt, ohne dass man dafür einen separaten Kamerarucksack braucht.
Was die Capsule 1 nicht ist!
Kein Schnellzugriffssystem. Keine Lösung für aktives Shooting. Keine Alternative zur Schultertasche, wenn man den ganzen Tag fotografiert. Die Capsule 1 ist ein Transportschutz und als solcher ist es sehr gut. Es löst ein spezifisches, aber häufiges Problem: die Kamera sicher in einer nicht-fotografischen Tasche unterzubringen, ohne Kompromisse beim Schutz einzugehen. Was sie sich nicht ist: billig! 150 Euro sind zwar noch einigermaßen erträglich und (so hoffe ich) eine gute Investition. Vergleichbare Lösungen aus Fernost erhält man aber bereits ab 30-40 Euro.
Und noch einmal zurück nach Seoul! Entstanden ist diese Serie während eines starken und spontanen Regens direkt vor meinem Hotel. Die Bedingungen hätten kaum dichter sein können: nasse Straßen, reflektierende Oberflächen, dichter Verkehr und Menschen, die sich mit Regenschirmen durch die Stadt bewegen. Eigentlich war der Anlass ein experimenteller: Ich wollte mit längeren Belichtungszeiten arbeiten und testen, wie sich Bewegung im urbanen Raum abbilden lässt.
Die Stadt wirkt in diesen Momenten gleichzeitig chaotisch und geordnet. Menschen eilen durch das Bild, verlieren klare Konturen, werden zu fließenden Formen. Die Regenschirme verstärken diesen Eindruck, sie wiederholen sich, strukturieren die Szene und geben dem Chaos eine visuelle Ordnung. Der Regen selbst trägt zusätzlich dazu bei, Kanten aufzulösen und die Lichter der Stadt weich zu zeichnen.
Interessant ist dabei, dass die ursprüngliche Situation alles andere als ruhig war. Es war laut, nass, schnell, voller Bewegung. Und doch vermitteln die fertigen Bilder etwas anderes: eine unerwartete Ruhe.
Diese Ruhe entsteht nicht trotz der Bewegung, sondern durch sie. Die lange Belichtung sammelt Zeit statt sie einzufrieren. Einzelne Momente verschwinden, werden überlagert, verdichtet. Was bleibt, ist nicht der einzelne Mensch, sondern die Spur seiner Bewegung. Die Stadt wirkt dadurch weniger wie eine Abfolge von Ereignissen, sondern eher wie ein kontinuierlicher Fluss.
Die Bearbeitung habe ich bewusst minimal gehalten: ein leichter Beschnitt und eine moderate Kontrastanhebung. Mehr Eingriffe hätten den Charakter der Aufnahmen verändert. Denn die eigentliche Wirkung entsteht bereits im Moment der Aufnahme: im Zusammenspiel von Licht, Regen, Bewegung und Zeit.
So wurde aus einer technischen Übung eine Serie, die für mich einen kleinen Widerspruch trägt: Hektik, die Ruhe erzeugt. Bewegung, die still wirkt. Und ein Moment, der sich nicht festhält, sondern erst durch sein Verschwinden sichtbar wird. Ich überlege noch diese Serie in mein Portfolio (Webseite) aufzunehmen – wir werden sehen!